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Das Jahr 1998


Jennifer G.: 13. Januar 1998: An diesem Nachmittag verschwindet auf mysteriöse Weise die 11jährige Jennifer G. aus Versmold von dem abgelegenen Hof. Nichts spricht dafür, dass das Mädchen absichtlich das Haus verlassen hat, das es gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer siebenjährigen Schwester bewohnt. Auch gibt es keinerlei Hinweise auf ein gewaltsames Eindringen. Und dennoch: Ihr Wunsch, nicht allein zu Hause zu bleiben, während die Mutter auf Spätschicht in einer Fleischfabrik war, soll ihr zum Verhängnis werden. Die Eltern sind ratlos und stellen eine Vermißtenanzeige.

Dreihundert Polizisten durchsuchen daraufhin die Umgebung. Hubschrauber der britischen Armee mit Wärmesensoren werden eingesetzt. Zwei Spaziergängerinnen sind es schließlich die die Leiche des Mädchens nur einen Tag später, lediglich 200 Meter von ihrem Elternhaus entfernt, in einer Fichtenschonung entdecken. Jennifer ist teilweise entkleidet, die restlichen Sachen sind zerrissen, und sie weist am Hals mehrere stark blutende Messerschnitte auf. Sie ist das Opfer eines Sexualverbrechers geworden, der sie zuerst missbraucht und dann erwürgt hat.

Kurz darauf steht der Kindesmörder fest: Juan-Carlos P. Deutscher Staatsbürger spanischer Abstammung und Schwager von Jennifers Mutter: ein Onkel der Elfjährigen. Am Tag ihrer Beerdigung teilt der Staatsanwalt mit, dass der Ermittlungsrichter einen Haftbefehl wegen Mordes gegen den Mann erlassen hat. Der 25jährige Juan-Crlos P., der in der Nachbarschaft von Jennifer wohnt, gesteht, er habe das Kind mit dem Auto abgeholt und sei in den Wald gefahren. Unweit des Elternhauses sei sie, so der Mörder, aus dem Wagen gesprungen und weggelaufen, als er versucht habe, sexuelle Handlungen an ihr vorzunehmen. In einer Fichtenschonung hätte er sie jedoch eingeholt, mit bloßen Händen erwürgt und ihr dann noch Messerstiche am Hals beigebracht, um sicherzugehen, dass sie ihn nicht verraten könne. Das Geständnis wird durch Speicheltests und Blutproben untermauert. Den sexuellen Missbrauch, die Vergewaltigung allerdings gesteht Juan-Carlos P. noch nicht. Er macht lediglich "mehrdeutige Aussagen" dazu. 

Am 17. Januar wird Jennifer unter großer Anteilnahme auf dem Friedhof von Versmold beerdigt. Ihr Vater, der von ihrer Mutter geschieden ist, bricht am offenen Grab zusammen, in das weinende Schulkameradinnen Blumen und Kuscheltiere werfen.

Im Oktober beginnt die Verhandlung vor dem Bielefelder Langericht- Kurz nach dem Prozeßauftakt wird sie jedoch unterbrochen, weil Juan-Carlos P. erst seine Gefühle unter Kontrolle bringen muss, nachdem er schluchzend den Verhandlungsraum betreten hat. Vor dem Gericht herrschen andere Emotionen: Zuschauer legen vor dem Saal Kränze nieder und stellen Grablichter auf.

Dem bis dahin 26jährigen nützen seine Gefühlsausbrüche nicht viel, obwohl ihm eine "narzistische Persönlichkeitsstörung" attestiert wird. Die Schwurgerichtskammer findet ihm am 6. November des versuchten sexuellen Missbrauch eines Kindes und Mordes für schuldig. Er habe seine Nichte erwürgt, um die vorherige Straftat der sexuellen Nötigung zu verdecken, urteilen die Richter. Das bedeutet eine lebenslange Haft. Nach Überzeugung des Gerichts ist der Angeklagte für die Tat voll verantwortlich, sieht in ihr jedoch keine besondere Schwere. 

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Survivor (Überlebende)