Jetzt möchte ich ein wichtiges Thema ansprechen: Körperliche Nähe und Sex
Hier liegt eine sehr große Fehlerquelle, denn gerade dieser Bereich ist für Betroffene sehr problembehaftet. Achte immer darauf, was er/sie möchte, und setze sie/ihn nie unter Druck. Fordere nie von ihr/ihm oder tue gar etwas, was sie/er nicht will oder kann, aus welchen Gründen auch immer.
Es kann immer passieren, dass sie/er aufhören möchte, wenn es gerade für dich am schönsten ist. Wirf es ihr/ihm nicht vor, sondern respektiere und akzeptiere es. Oft sind dies Panikattacken, ausgelöst durch Flashbacks (Erinnerungsblitze), und es hilft ihr nicht, wenn du es herunterspielst oder es ihr vorhälst.
Frag sie/ihn, was er/sie jetzt braucht, rede mit ihr/ihm, frag sie/ihn, was der Auslöser war, aber harke nicht nach, wenn er/sie es nicht aussprechen kann. Ihr könnt auch Zeichen verabreden, mit denen sie/er dir sagt, dass es ihr/ihm zuviel wird oder er/sie droht, auszusteigen. es kann ein Wort sein, eine Bewegung von ihm/ihr.
Rede auch mit ihr/ihm über deine Bedürfnisse, deine Wünsche und natürlich auch über ihre/seine Vorstellungen. Kommunikation ist hier das Beste, was ihr machen könnt.
Und wenn sie/er nicht darüber reden kann, hilft vielleicht aufschreiben, oder er/sie zeigt dir anhand eines Buches, was sie/er mag und was nicht.
Ich möchte hier auch noch über einen Gedanken reden, den viele Nichtbetroffene haben: Diese denken, das Überlebende nicht in der Lage sind normale Gefühle beim Sex zu entwickeln und haben deshalb Angst eine solche Beziehung einzugehen.
Wir sind durchaus in der Lage schöne Gefühle und auch Freude und Spass beim Sex zu entwickeln. Zwar nicht gleich nach der Tat. Aber mit einem liebevollen Partner ist es möglich. Hierbei ist es wichtig, sich sehr viel Zeit zu lassen, nicht gleich zum Akt zu kommen, sondern wirklich viel Streicheln, damit der Überlebende lernt, das es auch anders geht und ein gutes Körpergefühl dabei entwickelt.